Soziale Medien gewinnen in der medizinischen Kommunikation zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen eine rasche Verbreitung von Informationen und tragen damit zur zeitnahen Darstellung medizinischer Innovationen sowie klinischer Erfahrungen bei. Im Vergleich zu klassischen wissenschaftlichen Publikationsformaten erlauben soziale Medien eine deutlich schnellere und breitere Verbreitung entsprechender Inhalte.
Auch in der Wirbelsäulenchirurgie nutzen Ärztinnen und Ärzte weltweit Plattformen wie LinkedIn, Instagram und weitere soziale Netzwerke, um operative Fälle, neue Techniken oder Aspekte ihrer beruflichen Tätigkeit darzustellen. Ein kürzlich publizierter wissenschaftlicher Artikel von Burkhardt et al. (2025) analysiert kritisch die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Wahrnehmung des Fachgebiets.
Im Gegensatz zu peer-reviewten Fachjournalen verfügen soziale Medien über keinen systematischen Qualitäts- oder Kontrollmechanismus. Während wissenschaftliche Publikationen vor der Veröffentlichung durch mehrere unabhängige Fachpersonen begutachtet werden, können Inhalte in sozialen Netzwerken ohne formelle Prüfung publiziert werden. Eine redaktionelle Kontrolle, methodische Bewertung oder strukturierte Diskussion von Limitationen findet in der Regel nicht statt.
Dadurch besteht die Gefahr, dass einzelne selektiv dargestellte oder technisch eindrucksvolle Eingriffe ein verzerrtes Bild der klinischen Realität vermitteln. Insbesondere die fehlende Einordnung in Bezug auf Indikationsstellung, Fallzahlen, Komplikationsraten oder Alternativtherapien erschwert eine sachgerechte Bewertung der dargestellten Inhalte. Zusätzlich können kommerzielle Interessen eine Rolle spielen, bei denen Reichweite oder Selbstdarstellung gegenüber wissenschaftlicher Genauigkeit in den Vordergrund treten.
Von besonderer Relevanz ist, dass sowohl Patientinnen und Patienten als auch junge Ärztinnen und Ärzte soziale Medien zunehmend als Informationsquelle nutzen. Die dort vermittelten Inhalte können Erwartungen und Vorstellungen prägen, die nicht zwingend mit den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin übereinstimmen. Die komplexe, häufig interdisziplinäre und differenzierte klinische Tätigkeit in der Wirbelsäulenchirurgie lässt sich jedoch nur begrenzt in kurzen Beiträgen oder bildbasierten Formaten adäquat abbilden.
Das Paper unterstreicht die Notwendigkeit, Inhalte aus sozialen Medien kritisch zu reflektieren und in die klassischen Publikationsabläufen zu integrieren. Persönliche Darstellung, Einzelfallerfahrung und wissenschaftlich fundierter Evidenz sind zu unterscheiden. Für eine verantwortungsvolle Patientenaufklärung sowie eine qualitätsgesicherte ärztliche Aus- und Weiterbildung bleiben geprüfte wissenschaftliche Quellen und der fachliche Austausch unverzichtbar.
Quellenangabe: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41456901/